Lernzeiten-Konzept
Nach sorgfältiger Planung wird die bisherige Trainingszeit (die seit 2021 die Hausaufgaben ersetzt) durch die sogenannte Lernzeit ersetzt. Diese wird für alle Jahrgänge mit zwei Stunden pro Tag verbindlich im Stundenplan verankert, so dass tägliche Hausaufgaben, deren Betreuung und Kontrolle weiterhin entfallen.
Für die Hausaufgaben gelten in der BASS u.a. folgende Kriterien:
Hausaufgaben sollen die individuelle Förderung unterstützen. Sie können dazu dienen, das im Unterricht Erarbeitete einzuprägen, einzuüben und anzuwenden. Sie müssen aus dem Unterricht erwachsen und wieder zu ihm führen, in ihrem Schwierigkeitsgrad und Umfang die Leistungsfähigkeit, Belastbarkeit und Neigungen der Schülerinnen und Schüler berücksichtigen und von diesen selbstständig … erledigt werden können. (BASS-Auszug, Stand 01.06.2015)
In der öffentlichen Diskussion gibt es hierzu unterschiedliche Bewertungen. So kommen verschiedene Studien zu dem Schluss, dass Hausaufgaben sehr oft zusätzlich Stress und Belastung für Kinder und Eltern bedeuten, wenn beispielsweise beide Elternteile arbeiten und wenig Zeit zur Verfügung steht. Außerdem agieren Kinder im häuslichen Umfeld häufig weniger selbstständig als in der Schule. Hinzu kommt, dass aufgrund unterschiedlicher Lebensumstände nicht alle Kinder über die gleichen Ressourcen und damit gleichen Lernchancen verfügen. Aus Sicht der Lehrenden beanspruchen Hausaufgaben zudem wertvolle Zeit im Unterricht, indem sie regelmäßig kontrolliert werden müssen. Aus diesen Gründen stellen auch wir die Effektivität von Hausaufgaben erheblich in Frage und halten sie -zumindest für die Grundschule- weder für zielführend noch zeitgemäß. Unzweifelhaft benötigen Kinder regelmäßig die Gelegenheit, Lerninhalte zu üben, um diese dauerhaft zu integrieren. Dazu stellen wir ihnen mit dem Konzept der Lernzeit einen verlässlichen Rahmen zur Verfügung, in dem sie -wie in der BASS gefordert- die für sie relevanten Lerninhalte eigenverantwortlich üben und festigen können. Dies geschieht individuell und auf unterschiedlichen Wegen, um möglichst vielfältige Lernerfahrungen zu sammeln und die Freude am Üben aufrecht zu erhalten. Denn „nicht die Zeit, die die Lernenden für die Hausaufgaben aufwenden, ist entscheidend, sondern die Motivation“, heißt es in einer 2015 veröffentlichten Studie von Forschern der Universität Tübingen. Und weiter: Ob Schülerinnen und Schüler bei ihren Hausaufgaben erfolgreich lernten, hänge damit zusammen, mit wie viel Sorgfalt und Effizienz sie bei der Sache seien.
Die Mitarbeit der Eltern ist aus unserer Sicht auch weiterhin unterstützend erforderlich, um gezielte Übungen zuhause begleitend durchzuführen, z.B. zu den Lernwörtern, zum 1×1, zum Thema Geld, zum Lesen üben etc. Über die Arbeitspläne erhalten sie eine regelmäßige Rückmeldung darüber, was ihr Kind wie bearbeitet hat und erfahren so auch, wo ggf. noch Probleme bestehen. Damit wird dem berechtigten Wunsch der Eltern nach Information und einer gewissen „Kontrolle“ über den Lernstand ihres Kindes entsprochen.
Struktur in Jahrgang 1/2
In Jahrgang 1/2 stehen täglich 90 Minuten Lernzeit zur Verfügung; als Zeitfenster sind die ersten beiden Stunden vorgesehen. Die Durchführung sollte möglichst beim Klassenlehrer mit Absprache und Unterstützung der Sonderpädagogin bzw. Tandempartnerin liegen. Zu Beginn der Lernzeit werden gemeinsame Übungen im Kreis durchgeführt. In der anschließenden zwanzigminütigen Übungszeit üben die Kinder Lesen oder Rechnen in verschiedenen Übungsformaten. Hier werden auch die verbindlichen 3×20 Minuten Lesezeit pro Woche realisiert. Danach folgt die Arbeitszeit, in der die Kinder an ihren Arbeitsplänen der Fächer Deutsch und Mathematik arbeiten. Die Kinder werden im Sinne des selbstbestimmten Lernens dazu hingeführt, die Inhalte der Phasen selbst auszuwählen.
Struktur in Jahrgang 3/4
In Jahrgang 3/4 stehen täglich 90 Minuten Lernzeit zur Verfügung; als Zeitfenster sind die 3. und 4. Stunde vorgesehen. Die Durchführung sollte auch hier möglichst beim Klassenlehrer mit Absprache und Unterstützung der Sonderpädagogin bzw. Tandempartnerin liegen. Zu Beginn der Lernzeit findet die zwanzigminütige Übungszeit statt, in der die Kinder Lesen oder Rechnen in verschiedenen Übungsformaten üben. Hier werden auch die verbindlichen 3×20 Minuten Lesezeit pro Woche realisiert. Danach folgt eine gemeinsame Zeit im Kreis, in der Arbeitsergebnisse präsentiert oder Absprachen getroffen werden. In der Arbeitszeit arbeiten die Kinder an ihren Arbeitsplänen der Fächer Deutsch und Mathematik. Dabei entscheiden sie im Sinne des selbstbestimmten Lernens eigenständig, an welchen Inhalten sie in den einzelnen Phasen arbeiten.
Inhalt der Lernzeit
Die Inhalte orientieren sich an den Arbeitsplänen in Mathematik und Deutsch, verknüpft mit entsprechenden Spielen und Material bzw. Übungsaufgaben zur gezielten Förderung. Bei Bedarf können auch konkrete Inhalte in anderen Fächern geübt werden.
Ebenfalls integriert in den Lernzeiten sind feste Fördergruppen von Kindern aus verschiedenen Klassen in den Fächern Mathematik und Deutsch.
Außerdem werden zu einzelnen aktuellen Themen aus den Fächern Workshops angeboten, in denen Inhalte je nach Bedarf wiederholt, vertieft oder mit passenden herausfordernden Aufgaben verknüpft werden.